Reise & Foto Blog

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Wichtiges und Unwichtiges über meine Reisen und meine Fotografie, sowie aus den von mir bereisten Ländern.

Quo vadis Island?

TravelPosted by Rainer Grosskopf Wed, September 30, 2015 00:16:35

Nach 2 Wochen mit Camper in Island, bin ich zurück und habe erstmals Eindrücke vom Herbst bekommen, genau genommen vom Frühherbst, denn viel Herbstliches gab es noch nicht. Aber ich will mich nicht beschweren, denn das Wetter war größten Teils sommerlich – die Anzahl der Touristen leider auch. Genau genommen hatte ich den Eindruck, dass es teilweise voller war als bei meinen früheren Reisen im Juni/Juli. Aber das liegt wohl weniger an der Jahreszeit, sondern daran, dass die Anzahl der Touristen in Island von Jahr zu Jahr gewaltig ansteigt. Und die „Saison“ weitet sich aus, indem der September anscheinend schon zur Hauptsaison zählt, aber auch (das hat hier zwar nichts zu suchen) indem der März zur Winter-Hauptsaison geworden ist.

Ich kann mich ja nicht beschweren, dass immer mehr Touristen nach Island kommen, denn ich fahre ja selbst jedes Jahr zweimal nach Island. Die Isländer versuchen mit der wachsenden Zahl von Touristen klar zu kommen, aber leider geschieht das auf eine erschreckend schlimme Weise. Meine Beobachtungen sind zwar sehr selektiv, weil ich in den 2 Wochen natürlich nur einen kleinen Teil der Insel besuchen konnte, aber was ich zu sehen bekam, hat mich doch teilweise ziemlich schockiert.

Beim Godafoss wurde auf der bisher „unberührteren“ Schokoladenseite ein Parkplatz gebaut, und eine breite Schneise ins Gelände geschnitten, um entweder Menschenmassen oder gar Autos möglichst nahe an die Wasserfälle heranführen zu können. Die Planungen für diesen Ort lassen mich zusammenzucken, und man kann fast froh sein, dass nicht auch ein „Skywalk“ über die Fälle geplant ist – zumindest noch nicht.

Aber nicht nur solch touristische Highlights wie der Godafoss sind betroffen, sondern auch weniger bekannte Ziele wurden so „umgebaut“, dass ich/man nur erschrecken kann. Die Wasserfälle beim Kirkjufell auf Snaefellsnes wurden mit Boardwalks auf beiden Seiten der Fälle, mit erweiterten Parkplätzen und mit großen Hinweisschilder, zu einer touristischen „Attraktion“ ausgebaut. Folge war, dass sich dort zum Sonnenuntergang ca. 40 Fotografen einfanden, die sich (logischerweise) überwiegend im Wege rumstanden. Dabei störten die Boardwalks noch am wenigsten, aber vielleicht sollten die Isländer doch auch einmal über einen Fotografie-Beauftragten nachdenken und nicht nur über Elfen-Beauftragte. Dann könnte man zumindest solch eine grauenhafte Verbauung der Landschaft (unter fotografischen Aspekten) etwas einschränken. Träumen darf ich ja wohl.

Aber man kann noch eins drauf setzen. Bei dem wahrlich abgeschiedenen Leuchtturm Svörtuloft (es gibt auch andere Namen dafür) am westlichsten Ende der Halbinsel Snaefellsnes, hat man genauso Boardwalks in die Landschaft gesetzt und zur Krönung auch noch Geländer, um die Touristen davon abzuhalten sich von den Klippen ins Meer zu stürzen.

Wenn diese Verbauung der (bisher) grandiosen Natur in Island weiter geht, begonnen hat es mit der Aussichtsplattform am Skogarfoss, dann wird Island vielleicht eine Zeitlang noch die Anzahl der Touristen steigern können, aber irgendwann kippt das Ganze. Ich bin froh, dass ich einen großen Teil Islands ohne diese Verbauungen sehen konnte. Es bleibt wahrscheinlich noch einige Zeit das Hochland als Rückzugsort, aber warum sollte man da nicht die Pisten asphaltieren und ein paar Brücken bauen?

Fazit: Island ist ein Land bzw. eine Insel mit grandiosen Landschaften und einer gewaltigen Natur, und das wird noch lange so bleiben. Gerade diese „gewaltige“ Natur und die Urkraft der Vulkane werden sich gegen menschliche Einflüsse wehren, und uns diese ungebändigten Naturlandschaften noch lange erhalten. Aber auch die Isländer sollten vielleicht ein wenig nachdenken und Konzepte entwickeln, wie man mit den wachsenden Touristenzahlen umgehen kann, ohne die Landschaften den zu erwartenden Menschenmassen mit Boardwalks zugänglich zu machen.

Für Trolle und Elfen ist in Island gesorgt. Ich biete mich gerne der Isländischen Regierung als Fotografie-Beauftragter an, damit die Natur nicht nur für Tausende mit Bussen herangekarrte Touristen von Kreuzfahrtschiffen aufbereitet wird.